Die Wohnungsknappheit beschäftigt die Schweiz. Familien, junge Berufstätige und Senioren suchen vielerorts vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die simple politische Reaktion darauf ist der Ruf nach «mehr Geld». Auch im Ständerat, wo über eine Aufstockung des «Fonds de Roulement – zugunsten des gemeinnützigen Wohnungsbaus» debattiert wurde. Ich habe dagegen gestimmt, weil ich das Problem an der Wurzel anpacken will – Fördertöpfe lindern Symptome, ändern aber nichts an den Ursachen. Hand aufs Herz: Liegt das Problem wirklich beim fehlenden Geld?

Unser Land leidet nicht an einem Finanzierungsproblem – Investoren, Pensionskassen und private Bauherren wären bereit, Wohnungen zu bauen. Doch immer neue Auflagen und übertriebene Detailvorgaben treiben die Kosten in die Höhe und die Verfahren in die Länge. Diskutiert wird über Fassaden, Aussenräume und Details à discretion, während dringend benötigter Wohnraum auf sich warten lässt. Wer preisgünstige Wohnungen fordert, darf nicht gleichzeitig Rahmenbedingungen schaffen, die genau dies verunmöglichen.
Augenfällig wird die Entwicklung beim Blick zurück: Für den Bau der Hergiswiler Wohnsiedlung Mattli reichten in den 1980er-Jahren wenige Pläne und Formulare für die Baubewilligung. Für die Renovation 25 Jahre später waren zwei Bundesordner nötig. Dies zeigt exemplarisch, wie weit wir uns von pragmatischen Verfahren entfernt haben.

Natürlich braucht es Regeln, Wildwest-Verhältnisse will niemand. Aber die Leitplanken sind oft so eng gesetzt, dass sich Projekte über Jahre hinziehen. Gleichzeitig nehmen Einsprachen und Rekurse stetig zu. Was ursprünglich dem Rechtsschutz dienen sollte, wird immer häufiger zum Instrument, um Bauvorhaben zu verzögern oder zu verhindern.

Um die Wohnungsnot wirksam zu bekämpfen, müssen wir wieder mehr bauen können. Dafür braucht es schnellere Bewilligungsverfahren, weniger ideologisch motivierte Detaildiskussionen und mehr Eigenverantwortung. Die beste Wohnbauförderung ist eine Politik, die Bauen ermöglicht statt verhindert. Denn mehr Wohnraum entsteht nicht auf dem Papier, sondern auf Baustellen.

Kolumne Nidwaldner Zeitung